MUS-E® an der Kurt-Tucholsky-Grundschule

Regionale Koordination: Anja Müller


Schuljahr 2020/21

Nach den Sommerferien können wir auf großen Wunsch der Schule die Zusammenarbeit fortsetzen. Wir freuen uns darauf!


Arte por la Convivencia

Im Rahmen des von November 2017 bis Juni 2019 an der Kurt-Tucholsky-Grundschule wirkenden Erasmus+ Projektes Arte por la Convivencia fand ein ganz besonderes Theaterprojekt mit der Theaterpädagogin Helen de Bie statt. Hier wurden im Laufe der Monate gemeinsamer Theaterarbeit Geschichten umgeschrieben und auf die Alltagssituation der Kinder angepasst oder völlig frei Choreografien entwickelt, in denen jedes Kind seinen Platz fand. Immer war das Ende offen, die Kinder konnten sich und ihre Kreativität frei entfalten. Helen de Bie beschreibt ihre Eindrücke folgendermaßen: „Die Kinder kennen die Situation sehr gut, dass jemand neu ist. Sie kennen es auch gut, sich selbst fremd oder ausgeschlossen zu fühlen. Und sie spielen gerne.“ Bei den Aufführungen am Ende der Projektklasse gab es immer sehr bewegende Momente, wenn sich der Vorhang öffnete, und es floss manche Träne, wenn dieser sich dann wieder geschlossen hatte. Den Stolz konnte man allen Teilnehmenden ohne Ausnahme ansehen, wenn sie nach dem Vortragen ihres gemeinsamen Werkes oder ihrer Choreografie ein Stückchen gewachsen waren. Einen ausführlichen Abschlussbericht über das Austauschprojekt Arte por la Convivencia finden Sie hier.

Zitate der teilnehmenden Kinder der 6. Klasse der Kurt-Tucholsky-Grundschule:

 

„MUS-E® hat mir gebracht, kreativ zu sein.“

„Ich habe gelernt, dass man sich beim Theaterspielen nicht aufgeregt fühlen muss. Ich habe gelernt, Theater zu spielen und zu tanzen.“

„Ich habe gelernt, dass man als Team besser arbeiten kann.

Zusammen macht es mehr Spaß.“

„Ich traue mich jetzt, viel lauter vor fremden Menschen zu

sprechen.“

„Ich wurde durch MUS-E® selbstbewusster. Ich habe

gemerkt, dass die Stücke viel Freude bereitet haben.“

„Ich habe meine Freunde besser kennengelernt.“

„Ich habe gelernt, dass man als Klasse immer zusammenhalten

muss.“

„Ich habe gelernt, dass man sich mehr trauen kann.“

„Ich habe gelernt, mutiger zu werden.“

„Mein Traum ist es, eine Tänzerin zu werden. Mit meinen Freunden habe ich getanzt.“

„MUS-E® hat mir gebracht, kreativ zu sein.“

 



Schuljahr 2018/19

2. Halbjahr: Gemeinsames Erarbeiten eines Tanz-Theaterstückes

In der Erarbeitung verfolgte Kokomini Eva Nemesi mit den Schüler*innen zwei Stränge. Zunächst näherten sie sich dem Gestaltungsmitteln der körperlichen Arbeit. Ein Bewusstsein für den Körper, für Bewegung und deren Ausdrucksmöglichkeiten wurde geschaffen. Anschließend wurde das Thema Kiez und Heimat durch das Bewusstwerden des eigenen Lebensraumes aufgegriffen. Diese Auseinandersetzung fand statt durch Gespräche, Schreibaufträge und Zeichnungen auf Papier und im Raum. Die letztendliche Aufführung war eine Collage aus dem erarbeiteten Material, die zu Beginn einen narrativen Verlauf hatte und sich zum Schluss mehr und mehr auflöste.

 

 „Mein Traumkiez ist eine Zuckerwelt. Ich wünsche mir, dass alle Häuser aus Zucker und Schokolade sind.“

- Merve

„Mein Traumkiez ist Tropical Island, und es gibt überall Trampoline.“

-Zeynal

„In meinem Kiez ist es cool, weil ich Familie und Freunde hier habe, und es gibt viele Spielplätze.“

- Muhammed

„Ich finde meinen Kiez schön, weil es einen sehr schönen Park gibt. Da kann ich meistens die Leute beobachten picknicken. Außerdem gibt es ganz viele unterschiedliche Menschen, die an einem Ort zusammenleben.“

- Azra


1. Halbjahr: Gemeinsames Erarbeiten eines Tanz-Theaterstückes

Kokomini Eva Nemesi führte das interdisziplinäre Projekt aus den Sparten Tanz und Theater mit den Schüler*innen der Klasse 6a durch. Zu Beginn einer jeden Stunde wurden die Teilnehmenden mit einem Bewegungs-Warm-up aktiviert, bevor es dann über Übungen und Spiele hin zu den Theater- Tanzsequenzen ging. Thematisch beschäftigte sich die Klasse mit "Kiez und Heimat". Kieze wurden gezeichnet, benannt und vorgestellt, Raumwege in den Vierteln in der Aula nachgestellt und so ein imaginäres Bühnenbild entwickelt. Am Ende jeder Session präsentierten die Teilnehmenden in Kleingruppen die erarbeiteten Bewegungsfolgen ihren Mitschüler*innen.

Was wurde erreicht?

  • Stärkung der Gruppendynamik und der individuellen Präsenz
  • Förderung der Kreativität und des Vorstellungsvermögens
  • Schärfung des Bewusstseins für den Raum und die Mitspieler*innen
  • Kennenlernen der verschiedenen Kieze Berlins


Schuljahr 2017/18

Klasse 5a: Theater mit Helen de Bie

Theaterpädagogin Helen de Bie berichtet:

"Tommy ist ein neues Kind in der Klasse. Das kommt ja öfter vor, dass jemand Neues dazu kommt. Tommy allerdings trägt eine Mütze, die das ganze Gesicht verdeckt. Es gibt nur zwei Löcher für die Augen. Was in der ersten Woche passiert, die Tommy an der Schule verbringt, spielen wir in unserem Theaterstück. Literarische Grundlage für unsere Arbeit ist "Tommy Mütze" von Jenny Robson.

 

Jeden Donnerstag bauen wir neue Szenen für das Stück, das wir im Juni in der Schule vor Publikum präsentieren werden. Letzte Woche haben wir uns überlegt, warum Tommy wohl die Mütze trägt. Hat er üble Verbrennungen im Gesicht? Ist er ein Prommi, der unerkannt bleiben will? Oder ein Geflüchteter, der illegal hier ist? Schämt er sich vielleicht einfach und mag es nicht, angeschaut zu werden? Vielleicht ist er ja doch einfach ein Bankräuber, der seit dem letzten Überfall auf der Flucht vor der Polizei ist?

 

Phantasie ist genug da, um anschaulich zu spielen, wie es Tommy wohl geht. Manchmal regiert das Chaos, es ist laut, draußen schneit es und wichtige SpielerInnen sind krank. Dann ist Tommys Fußball-Sieg auch im Theaterspiel hart umkämpft und ich bin sehr dankbar, dass mich zwei sehr engagierte Lehrerinnen unterstützen. An anderen Tagen, reden wir darüber, wie es ist, wenn man selbst neu ist und was das für diejenigen bedeutet, die schon lange hier sind. Die Kinder haben zu diesen Thema viel zu sagen. Schließlich gibt es in jeder Familie ganz eigene Migrationserfahrungen, die in die selbstentwickelten Szenen einfließen. Und auch ich gehe nachhause mit den Gedanken, wieder was dazugelernt zu haben."
 

März 2018, Helen de Bie (Theaterpädagogin)


Schuljahr 2016/17

Klasse 4a: Puppen-Tanz-Theater

Mit Fernando Pérez Molinari (Skulptur/Puppenbau) und Tabea Langmann (Tanz)

"Mit den Kindern der Kurt-Tucholsky-Grundschule begannen wir im November 2016 unser Tanz-Theater-Puppen Projekt. Am Anfang kamen die Schüler*innen dabei zum Teil das erste Mal mit Theaterübungen und -spielen in Kontakt, die ihnen Raum gaben für Bewegung, kreativen Ausdruck und Spaß. Im nächsten Schritt bauten wir gemeinsam die leuchtenden Puppen und Masken.

 

Die Arbeit mit den Händen, das Formen der Objekte, das Kleistern und das Bemalen förderte die Kreativität der Kinder. Mit viel Phantasie kreierten sie ihre eigenen Wesen und Geschöpfe. Durch Tanz und Bewegung wurde diese dann zum Leben erweckt.

 

Die Kinder nahmen in jeder Phase des Projekts mit Freude teil und überwanden anfängliche Skepsis, die in Bezug auf den körperlichen Ausdruck und den Tanz manchmal bestanden. Sie arbeiteten aktiv am Aufbau der Choreografie mit und erkundeten mit Neugier die verschiedenen Möglichkeiten, die die Technik der Figurenherstellung bot. Es entstand eine Geschichte aus Licht, die in einem dunklen Raum mit der Aufführung zum Leuchten kam. Auch die Kinder strahlten zufrieden, als ihre Eltern nun die Ergebnisse von einem gemeinsamen halben Jahr gesehen hatten."