Kunst als Schlüssel für eine starke Gesellschaft: MUS-E® beim High Level Round Table im Europäischen Parlament

Wie können Kinder durch Kunst Kompetenzen entwickeln, die sie für eine demokratische Gesellschaft brauchen? Diese Frage stand am 22. Juni 2026 im Mittelpunkt einer hochrangigen Diskussionsrunde im Europäischen Parlament in Brüssel. Unter dem Titel „Reimagining Education through the Arts: Building Skills, Inclusion and Communities“ kamen Vertreter:innen aus Politik, Bildung und Kultur zusammen, um über die Bedeutung künstlerischer Bildung für die Zukunft von Kindern und Gesellschaften zu sprechen.

 

Gastgeber der Veranstaltung war der Abgeordnete des Europäischen Parlaments Marcos Ros Sempere, Mitglied des CULT-Ausschusses (Committee on Culture and Education).


Im Fokus stand die Frage, wie Schulen Kindern nicht nur Wissen, sondern auch Empathie, Kreativität, Zusammenarbeit und Selbstvertrauen vermitteln können. Auch Alexandra Paatsch, Vorsitzende des International MUS-E® Councils und Geschäftsführerin von MUS-E Deutschland e.V., war eingeladen, konkrete Beispiele aus der MUS-E® Praxis vorzustellen.

„Skills and values for a democratic society“ – Was Kinder durch Kunst lernen

In ihrem Beitrag machte Alexandra Paatsch deutlich, dass kulturelle Bildung weit über künstlerische Fähigkeiten hinausgeht. Kunstprojekte eröffnen Kindern Erfahrungsräume, in denen sie lernen zuzuhören, Perspektiven zu wechseln, gemeinsam Lösungen zu finden und Verantwortung zu übernehmen. Als Beispiel brachte sie ein MUS-E® Theaterprojekt an der Waldhofschule in Mannheim mit einer dritten Klasse ein. Im Mittelpunkt stand das Improvisationstheater, in dem die Kinder gemeinsam Geschichten entwickelten, Rollen übernahmen, aufeinander reagierten und lernten, die Ideen anderer anzunehmen und weiterzuentwickeln.

 


Besonders beeindruckend war die Zusammenarbeit der Kinder während einer Gruppenaufgabe. Innerhalb kürzester Zeit mussten sie eine Geschichte entwickeln und einüben. Dabei zeigte sich eine außergewöhnliche Fähigkeit zum Zuhören, zur gegenseitigen Unterstützung und zum gemeinsamen Gestalten. Ein Kind fasste später die Erfahrung aus dem Projekt zusammen: 

 

„Wir haben gelernt, miteinander zu spielen, ohne uns gegenseitig zu verletzen – körperlich, aber auch auf andere Arten.“ 

 

Für Alexandra Paatsch zeigt dieses Beispiel eindrücklich, welche nachhaltige Wirkung künstlerische Prozesse haben können: Kinder entwickeln Empathie, Respekt, Toleranz und Resilienz – Fähigkeiten, die für ein demokratisches Miteinander entscheidend sind. 

Von der Kunst zur Beteiligung: Kinder gestalten ihre eigene Zukunft

Ein weiteres Beispiel aus dem MUS-E® Netzwerk zeigte, wie Kunst Kindern hilft, ihre eigene Umwelt bewusst wahrzunehmen und mitzugestalten. Bei einem Projekt in Köln beschäftigten sich Schüler:innen mit Architektur, ihrer Stadt und der Frage: Was macht einen Ort lebenswert? Gemeinsam erkundeten sie Gebäude und öffentliche Räume, entwickelten Ideen für ihre eigene „Traumstadt“ und bauten Modelle ihrer Zukunftshäuser. Dabei entdeckten die Kinder nicht nur kreative Fähigkeiten, sondern auch ihre eigenen Kompetenzen. Sie konnten planen, gestalten, mathematisch denken und ihre Vorstellungen selbstbewusst präsentieren.

Kunst schafft Handlungsspielräume

Neben Theater und Architektur finden MUS-E® Projekte in vielen verschiedenen Kunstsparten statt – von Musik, Tanz und Bildender Kunst über Medienkunst bis hin zu Literatur und Performance. Ob Body Percussion, Maskentheater, Trickfilm, Upcycling-Instrumente oder gemeinsames Malen: Kinder erfahren, dass sie selbst etwas erschaffen und verändern können. Gerade in einer Zeit, in der viele junge Menschen mit großen gesellschaftlichen Herausforderungen konfrontiert sind, ist diese Erfahrung besonders wertvoll: Kunst gibt Kindern eine Stimme, stärkt ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und zeigt ihnen, dass sie aktiv an ihrer Umwelt mitwirken können.

Gemeinsam für die Zukunft kultureller Bildung

Am 23. und 24. Juni 2026 fand anschließend das jährliche Treffen des International MUS-E® Councils (IMC) am Instituto Cervantes in Brüssel statt. Vertreter:innen aus verschiedenen Ländern des MUS-E® Netzwerks tauschten sich über aktuelle Projekte, Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen aus. Neben der Vorstellung regionaler Aktivitäten standen unter anderem die Weiterentwicklung eines gemeinsamen Manifests für künstlerisches Lernen, Fragen rund um Künstliche Intelligenz, Kommunikation und neue internationale Kooperationen auf der Agenda.


Das Treffen zeigte erneut: Überall in Europa entstehen durch MUS-E® Impulse, die Kinder mit Kunst wachsen, Gemeinschaft erleben und ihre Potenziale entfalten lassen. 

 

Kunst ist nicht nur Ausdruck, sie ist eine wirkungsvolle Möglichkeit, Kinder für eine offene, kreative und demokratische Gesellschaft zu stärken.