MUS-E® an der Rudolf-Wihr-Realschule plus Limburgerhof

Koordination: Carmen Kubath

Die Rudolf-Wihr-Realschule plus in Limburgerhof bei Speyer ist eine kooperative Realschule in der Trägerschaft des Rhein-Pfalz-Kreises. Sie bietet ihren Schüler:innen ein vielfältiges Bildungsangebot und legt Wert auf eine umfassende Persönlichkeitsentwicklung. Seit dem 2. Schulhalbjahr 2024/25 ist MUS-E® auch an dieser Schule vertreten.


Schuljahr 2025/26

2. Halbjahr: Von der Skizze zur Ausstellung

Eigenständigkeit  Wahrnehmung  Entscheidungsfähigkeit  Raumverständnis  Ausdauer  Offenheit

Im Projekt „Von der Skizze zur Ausstellung“ begaben sich die Schüler:innen der Klasse 5g gemeinsam mit MUS-E® Künstlerin Sabine Amelung auf eine künstlerische Entdeckungsreise. Ausgehend von der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Künstler:innen lernten die Kinder vielfältige gestalterische Strategien kennen, die von zeichnerischen Grundlagen über Collage bis hin zur Malerei im Großformat reichten. Den Einstieg bildete ein eigenes Skizzenbuch, inspiriert von Yayoi Kusama, das erste Zugänge zu Form, Struktur und räumlichem Denken eröffnete. Im weiteren Verlauf setzten sich die Kinder mit zeitgenössischer Kunst auseinander. Street Art diente als Impuls für experimentelle Collagen, während die Farb- und Formwelten von Ethel Adnan zu eigenen Musterentwürfen anregten. Auch die Arbeiten von Mark Rothko eröffneten neue Perspektiven auf Farbe, Fläche und Komposition.


Ein zentrales Element des Projekts war das Arbeiten im großen Format. Auf einer über 15 Meter langen Papierrolle gestalteten die Kinder gemeinsam ein zusammenhängendes Bild. Dabei lernten sie, ihre individuelle Formensprache in ein kollektives Gesamtwerk einzubringen und sich auf neue Dimensionen einzulassen. Ergänzt wurde der Prozess durch dreidimensionale Arbeiten. Bemalte Kartonobjekte, deren Formen sich über mehrere Seiten hinweg fortsetzten, erweiterten das Verständnis für Raum und Gestaltung.


Den Abschluss bildete eine Ausstellung im Außenbereich der Schule. Großformatige Bilder, Leporellos und hängende Objekte machten den künstlerischen Prozess sichtbar. Im Rahmen des Schulfestes wurden die Besucher:innen selbst aktiv und gestalteten gemeinsam ein weiteres Kunstwerk, begleitet von den Schüler:innen, die ihre Erfahrungen weitergaben.

 

"Auch wenn es manchmal so erscheint, als sei bei den Kindern die Luft raus, so ist es erstaunlich, wie sie sich dann doch noch motivieren, um ein Werk gut zu Ende zu bringen." 

- Klassenlehrerin Beate Neumann 

 

"Die Klasse ist sehr aufgeschlossen, neugierig, mit Material gut ausgestattet und sehr aktiv beim Mitarbeiten. Persönliche Ideen einzelner inspirieren die Mitschüler*innen zu Gestaltungen, die ihnen nicht eingefallen wären. Es macht Spaß, in die Klasse zu kommen, die Kinder freuen sich auf das Projekt, sind respektvoll im Umgang und helfen gerne anderen. Die Kinder freuen sich auf die gestalterische Arbeit und sind alle mit an Bord. Sie erkennen den Wert von abstrakten Bildern und die Freiheit zu gestalten und zu deuten. Beim Malen im Freien […] tauchen [einige Kinder] ganz und gar in das Malen unter freiem Himmel ein, fast kontemplativ, als ob sie alles drumherum ausschalten würden. Beim Zeichnen […] verstehen [sie], dass sie das […] Bild gut fertig machen wollen, weil es auch die Arbeit der Gruppe repräsentiert. Sie freuen sich auf die Ausstellung." 

- Sabine Amelung

1. Halbjahr: Unser eigener Song | Klassen 5g und 6e

Konzentration • Respekt • Kommunikation • Spaß 

Im Projekt „Unser eigener Song“ gestaltete die Klasse 5g und 6e gemeinsam mit dem MUS-E® Künstler Ricardo Espinosa ein eigenes Musikstück. Ausgangspunkt war die Verbindung von Rhythmik, Text und Gruppenzusammenarbeit mit dem Ziel, einen gemeinsamen Song zu erarbeiten und einzustudieren. Zu Beginn lernten die Schüler:innen grundlegende Spieltechniken auf den Instrumenten Cajon und Boomwhacker kennen. Darauf aufbauend wurden verschiedene Rhythmen im 4/4-Takt eingeübt und in unterschiedliche musikalische Stilrichtungen übertragen. Parallel dazu erhielten die Kinder eine theoretische Einführung in die Entstehung und Entwicklung des Hip-hop in seinen verschiedenen Ausprägungen. Als musikalische Schwerpunkte dienten Hip-hop und Funk. Die Klasse wurde in sieben Gruppen eingeteilt, die über mehrere Einheiten hinweg kontinuierlich zusammenarbeiteten. In den Gruppen entstanden zunächst eigene Vierzeiler, die auswendig gelernt und anschließend rhythmisch und sprachlich so angepasst wurden, dass sie zur Musik passten und gerappt werden konnten. Texte und Beats wurden gemeinsam weiterentwickelt und aufeinander abgestimmt. Ein zentrales Thema des Projekts war immer wieder der Respekt innerhalb der Gruppe. Fragen wie: Wie höre ich anderen zu? Wie viel Raum gebe ich? Werde ich wahrgenommen und wertgeschätzt? begleiteten die künstlerische Arbeit fortlaufend. Diese Auseinandersetzung zeigte sich sowohl im musikalischen Prozess als auch im sozialen Miteinander. Besonderer Wert wurde auf Inklusion und Integration gelegt. Zwei Kinder mit ADHS wurden bewusst ohne Sonderbehandlung in die Gruppe eingebunden. Um einem Schüler mit Kleinwuchs die gleichberechtigte Teilnahme zu ermöglichen, stellte Ricardo Espinosa eine passende Kindercajon zur Verfügung, sodass auch körperliche Voraussetzungen berücksichtigt wurden. Ziel des Projekts war es, den gemeinsamen Song auf der Bühne zu präsentieren. Ein öffentlicher Auftritt konnte aus zeitlichen Gründen zwar nicht mehr realisiert werden, dennoch zeigte sich am Ende eine deutliche positive Entwicklung im respektvollen Umgang der Schüler:innen miteinander.

 

"Mein Ziel ist es immer wieder die Kinder zu erreichen und zu begeistern, indem ich sie auf ihre eigenen Fähigkeiten zurückwerfe, dabei begleite und unterstütze. Das Resultat ist, dass die meisten Kinder sich dann gewertschätzt fühlen und einen Sinn in sich selbst finden und sehen."

- Ricardo Espinosa

1. Halbjahr: Von der Idee zum Raum

Kreativität  • Raumvorstellung   Proportion   Technik   Dreidimensionalität •  Kooperation

Im Projekt „Von der Idee zum Raum“ wurde der Klasse 5e von MUS-E® Künstlerin Sabine Amelung zunächst der Künstler Rupprecht Geiger vorgestellt, insbesondere seine faszinierenden Formenbilder, in denen sich die Zahlen von 1 bis 9 verbergen. Aufbauend darauf entwickelten die Schüler:innen eigene Bildideen, indem sie Zahlen in abstrakte Formen auf DIN-A4-Blättern integrierten. Diese einzelnen Bilder wurden auf Rollenpapier geklebt und direkt aneinandergefügt, sodass ein komplexes Farben- und Formenbild entstand, in dem die individuellen Arbeiten miteinander verschmolzen. Höhepunkt des Projekts war neben der Präsentation im Rahmen des Tags der offenen Tür eine Exkursion ins Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen. Dort besuchte die Klasse eine begehbare Installation der Künstlerin Ulla von Brandenburg, zeichnete Ausschnitte der farb- und formenreichen Ausstellung nach und erkannte Parallelen zu ihren eigenen Leporellos. 


Bis zur Präsentation trafen die Kinder hochkonzentriert letzte Vorbereitungen und führten Besucherinnen stolz durch ihre Arbeiten. Das Projekt zeigte eindrucksvoll, wie aus individuellen Ideen ein gemeinsames, raumgreifendes Ergebnis entstehen kann. Die Schüler:innen erlebten die Umsetzung eigener und gemeinsamer Ideen, entwickelten Raumvorstellung und Proportionsempfinden, setzten Techniken wie Schneiden, Malen, Kleben und Bauen ein und entdeckten die Dreidimensionalität und die Wirkungsmöglichkeiten von Farbe im Raum, sowohl im Klassenraum als auch im Museum.

 

O-Töne der Kinder:

"Wenn ich eine Form wähle, die nichts erzählt, kann sich jeder selbst denken, was es sein kann."

"Das ist mein Raum, meine Kunst, meine Idee, den würde ich gerne in Wirklichkeit bauen und besuchen."

"Hier kann man sich inmitten der Farben frei bewegen."

1. Halbjahr: Künstler:in – Idee – Technik – Atelier – Museum

Kreativität  • Konzentration   Ausdauer   Zusammenarbeit   Experimentierfreude •  Ausdrucksstärke

Im Projekt „Künstler:in – Idee – Technik – Atelier – Museum“ arbeitete MUS-E® Künstlerin Sabine Amelung mit der Klasse 6f. Zunächst wurde der Künstler Rupprecht Geiger vorgestellt, insbesondere seine Formenbilder, in denen Zahlen von 1 bis 9 verborgen sind. Aufbauend darauf gestalteten die Schüler:innen eigene Zahlen in abstrakten Formen auf DIN-A4-Blättern und experimentierten mit Farbverläufen in leuchtenden Neonfarben, angelehnt an Geigers Arbeiten. Im Verlauf des Projekts entstanden zahlreiche Leporellos und kleine Museumsräume in Schuhkartons, die beim Tag der offenen Tür präsentiert wurden. Besonders hervorzuheben ist, dass einige Kinder intensive und detailreiche Arbeiten schufen, Leporellos und Museumsräume nahezu identisch mit Freundinnen gestalteten und sich dabei auf kreative Weise austauschten. Die Präsentation der Ergebnisse wurde von allen Beteiligten mit Freude wahrgenommen, und einzelne Schüler:innen unterstützten aktiv beim Aufbau und Abbau der Ausstellung.



Schuljahr 2024/25

2. Halbjahr: My Song | Wie gestalte ich einen Song?

Rhythmusgefühl • Selbstbewusstsein • Teamarbeit • Sprachgefühl • Musikalität • Kreativität

Im Projekt "My Song | Wie gestalte ich einen Song?" erarbeiteten die Schüler:innen der 5f gemeinsam mit MUS-E® Künstler Ricardo Espinosa einen eigenen Song vom ersten Beat bis zum Auftritt auf dem Schulfest. Ausgehend von Rhythmusübungen auf der Cajon, Boomwhackern und persönlichen Lieblingssongs entstand ein musikalischer Gruppenprozess. In Kleingruppen entwickelten die Kinder eigene Songtexte, die Themen wie Freundschaft, Schule und Zusammenhalt aufgriffen. Ein gemeinsamer Refrain brachte die Botschaft auf den Punkt: „Beste Freunde – das sind wir.“ Begleitet von kreativen Gesprächen über Musikgeschichte, Hip-Hop und Klassik setzten sich die Kinder intensiv mit Songstruktur, Textgestaltung und musikalischem Ausdruck auseinander. Die Arbeit an der finalen Komposition förderte nicht nur musikalische Fähigkeiten, sondern auch Teamgeist, Selbstvertrauen und kreative Eigeninitiative. Der große Auftritt zum Abschluss war ein voller Erfolg und zeigte, wie viel in einem halben Jahr MUS-E® entstehen kann.

2. Halbjahr: Was hat sich die Künstlerin/der Künstler dabei gedacht? – Kennenlernen von künstlerischen Strategien, Techniken und Biografien

Selbstbewusstsein • Kreativität • Ausdruckskraft • Achtsamkeit • Gemeinschaft

Wie entsteht ein Kunstwerk, und was bewegt Künstler:innen in ihrem Schaffen? Dieser spannenden Frage sind die Schüler:innen der Klasse 5e der Rudolf-Wihr-Realschule plus in Limburgerhof gemeinsam mit MUS-E® Künstlerin Sabine Amelung auf kreative Weise nachgegangen. Das Projekt „Was hat sich die Künstlerin/der Künstler dabei gedacht?“ führte die Kinder nicht nur in verschiedene künstlerische Techniken ein, sondern auch in die Biografien und Strategien dreier außergewöhnlicher Persönlichkeiten der Kunstgeschichte, und damit direkt zu sich selbst. Den Auftakt bildete die Begegnung mit der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama. Ihre bewegende Lebensgeschichte – vom Mädchen auf dem Land zur gefeierten Künstlerin von Weltrang – beeindruckte die Kinder tief. Ihr ikonisches Motiv, der Kreis, wurde zur gestalterischen Ausgangsform eines eigenen „Zines“, eines kleinen gefalteten Klappbuchs. Hier verbanden sich Phantasie, Struktur und persönliche Gedanken auf kreative Weise. In einer zweiten Arbeit wurde der Kreis selbst zum Bildträger: Silhouetten, innen wie außen ausgeschnitten, beklebt, beschrieben. Im Anschluss begaben sich die Kinder in die Welt von Jean Dubuffet, einem Pionier der Art Brut. Sein experimenteller Zugang zur Porträtkunst inspirierte die Klasse zu abstrahierten Selbstporträts, reduziert auf wenige Farben, dafür umso ausdrucksstärker. Diese Porträts wurden auf eine aus Kartons gestaltete Skulptur appliziert. Es entstand ein lebendiges, dreidimensionales Kunstobjekt, das die Vielschichtigkeit der Gruppe sichtbar machte. Zum Abschluss reisten die Kinder zurück ins historische Japan: Die Kunst von Hokusai, insbesondere seine berühmte „Große Welle“, war Ausgangspunkt für ein weiteres Highlight. Die Kinder zeichneten, schnitten und kombinierten ihre eigenen Wellen zu einem meterlangen Leporello, das sich dynamisch durch den Raum zog und dabei die Kraft und Bewegung des Wassers spürbar machte. Die Präsentation beim Schulfest wurde zu einem besonderen Erlebnis: Nicht als klassische Ausstellung, sondern als begehbare Rauminstallation gedacht, luden die Werke dazu ein, inmitten der Kunst zu verweilen. Die Kinder überlegten gemeinsam, wie die einzelnen Elemente im Raum wirken, wie sich Einzelbeiträge zu einem Ganzen fügen, und wie die Besucher:innen staunen und entdecken könnten. Die Schüler:innen erlebten dabei mehr als nur künstlerisches Tun. Sie lernten, wie aus Skizzen Ideen und aus Ideen Werke entstehen. Sie erkannten Verbindungen zwischen Kunst und Biografie, zwischen Technik und Ausdruck, zwischen eigenen Gefühlen und gemeinschaftlichem Schaffen. Besonders berührend war die kontemplative Ruhe während vieler Atelierstunden, die die Kinder bewusst wahrnahmen und schätzten. Das abschließende Künstler:innengespräch mit den Kindern vor einem breiten Publikum war ein Höhepunkt des Projekts: Stolz präsentierten sie ihre Werke, erklärten ihre Gedanken und erlebten sich selbst als kompetent, kreativ und gesehen. Die Erfahrung, dass ihre Kunst andere bewegt, stärkte ihr Selbstbewusstsein und ihre soziale Präsenz.

 

"Ich sehe die Kinder in neuem Licht, wenn ich betrachte, wie sie ihre Gefühle ausdrücken können, wenn es nicht die geschriebenen oder gesprochenen Worte sein müssen."

- Klassenlehrerin Inka Rohe