Koordination: Ingrid Schmidt-Wackerow
Die pädagogische Arbeit an der Grundschule Siedlungsschule Speyer basiert auf einem ganzheitlichen Bildungs- und Erziehungsansatz, bei dem sowohl kognitives als auch soziales Lernen im Unterricht gleichermaßen berücksichtigt werden. Als UNESCO-Projektschule liegt ein besonderer Fokus auf der Demokratie- und Friedenserziehung.
Schuljahr 2025/26
Freiraum • kreative Arbeit
Im Projekt „Zeichnen | Malen hin zu Paul Klee“ erlebten die Schüler:innen der Klasse 3d gemeinsam mit MUS-E® Künstler Christian Uhl einen kreativen Zugang zur bildnerischen Gestaltung. Ausgangspunkt war freies, experimentelles Arbeiten: Mit Kritzelbildern füllten die Kinder zunächst ganze Blätter und lernten, dass ein Bild nicht nur abbilden muss, sondern auch Emotionen ausdrücken kann – Wut, Freude oder Angst wurden in Farbe und Linie sichtbar gemacht. Darauf aufbauend suchten die Kinder nach Möglichkeiten, Geräusche und Töne visuell darzustellen. So entstanden Gewitterbilder mit gemaltem Donner, Comic-Elemente mit Sprechblasen und sogenannte Soundwords, die Klänge in Form und Farbe übersetzten.
Durch die Arbeit mit Erzählzellen und kleinen Geschichten fanden die Kinder spielerisch den Zugang zu Paul Klee: Stadtlandschaften, Hausansichten oder Ausschnitte des eigenen Zuhauses wurden teilweise mit phantastischen Inhalten versehen und zeigten eine überraschend kreative Vielfalt. Perspektive und räumliche Gestaltung wurden dabei ebenso erprobt – oft auf unkonventionelle, experimentelle Weise. Ein zentraler Bestandteil des Projekts war das gemeinsame Besprechen der Arbeiten. Jedes Kind konnte sein Bild vorstellen, Rückmeldungen der Mitschülerinnen und Mitschüler erhalten und selbst andere Werke loben oder kritisieren. So entstand nicht nur ein kreativer Austausch, sondern auch ein wertschätzender Umgang miteinander. Am Ende stand die Erkenntnis: Jeder Mensch ist ein Künstler, und jedes Kind konnte auf seine individuelle Weise kreativ sein.
"Im Freiraum, in dem kreatives Arbeiten möglich ist, können die Kinder für Momente spüren, was ein leistungsorientiertes Leben später nur wenig zulässt – sich selbst."
- MUS-E® Künstler Christian Uhl
Zuhören • Rhythmus • Motorik und Koordination • Gruppendynamik • Körperwahrnehmung
Im Projekt „Cajon | In 80 Takten um die Welt“ arbeitete die Klasse 3c gemeinsam mit MUS-E® Künstler Stefan Cerin intensiv mit der Cajon, einer vielseitigen Trommelkiste, die Rhythmus, Bewegung und musikalisches Zusammenspiel verbindet. Zu Beginn des Projekts lernten die Kinder die grundlegenden Spieltechniken der Cajon kennen. Im Fokus standen die beiden Basisklänge Bass (tiefer Ton) und Snare (hoher Ton) sowie die Grundlagen der Rhythmik. Anhand dieser Klänge wurden Notenwerte wie ganze, halbe, viertel- und achtel Noten eingeführt, später auch Triolen und Sechzehntelnoten. Die Kinder erprobten, wie sich diese rhythmischen Strukturen praktisch auf der Cajon umsetzen lassen. Aufbauend auf diesem Basiswissen entwickelten die Schüler:innen eigene Rhythmen, die mit Playbacks und Liedern in verschiedenen musikalischen Zusammenhängen angewendet und vertieft wurden. Jede MUS-E® Einheit begann zudem mit Lockerungs- und Dehnübungen, um Körperhaltung, Beweglichkeit und Konzentration zu fördern. Zwischendurch sorgten Mitmachgeschichten für Abwechslung und spielerische Auflockerung. In der Adventszeit wurden zudem Weihnachtslieder rhythmisch begleitet und in die Arbeit integriert. Ein besonderer Höhepunkt des Projekts war die musikalische Weltreise: Gemeinsam bereiste die Klasse vier Kontinente – Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und Europa – und lernte typische Rhythmen und Tänze der jeweiligen Regionen kennen und einzuüben. So wurde Rhythmus als weltumspannende Sprache erfahrbar. Den Abschluss bildete eine Aufführung, bei der die Kinder ihre musikalische Weltreise sowie weitere einstudierte Stücke vor Eltern, Geschwistern und weiteren Angehörigen präsentierten.
Schuljahr 2023/24
Kreativität beim Gestalten eigener Tanzbewegungen • Motivation • Stärkung des Umgangs miteinander • Konzentration und Disziplin
Im zweiten Halbjahr des Schuljahres übernahm Svenja Bopp die Leitung des Tanzprojekts in der Klasse 3c. In einer intensiven und lehrreichen Zeit setzte sich die Klasse spielerisch mit der Kunstform Tanz auseinander. Ziel des Projekts war es, den Kindern die Vielfalt des Tanzens näherzubringen und ihnen das Selbstvertrauen zu geben, sich kreativ und frei durch Bewegung auszudrücken. Von Beginn an war nicht jedes Kind von der Idee begeistert, insbesondere einige Jungen standen der Herausforderung skeptisch gegenüber. Durch behutsames Heranführen an Tanzschritte und kreative Übungen entwickelte sich jedoch bei allen Teilnehmenden eine Offenheit und Freude an der Bewegung. Die Kinder lernten grundlegende Tanzschritte und erprobten eigene Bewegungen zur Musik. Dabei entstanden kleine Geschichten, die sie durch Bewegung erzählten, sowie improvisierte Tanzsequenzen, die ihrer Phantasie freien Lauf ließen. Ein Höhepunkt des Projekts war die abschließende Performance, bei der die Klasse zwei einstudierte Choreografien präsentierte.
Diese beinhalteten synchrone Bewegungen, Aufstellungswechsel und ein Gespür für musikalisches Timing sowie die Gruppendynamik. Die Aufführung zeigte die bemerkenswerten Fortschritte der Kinder und war ein voller Erfolg. Ein exemplarischer Ablauf einer Tanzstunde umfasste: Begrüßung und Warm-up: Spielerischer Einstieg mit Stopptanz, oft thematisch inspiriert (z. B. Tiere oder Orte). Technische Übungen: Lernen von Basisschritten in Reihenformation, etwa zu „Shape of You“ (Instrumental). Raumbewegung: Tänzerisches Erkunden des Raumes, beispielsweise durch Synchronbewegungen in Dreiergruppen. Improvisation und Kreativität: Themenbezogene Improvisation, z. B. Piratenkämpfe mit Partnerbewegungen. Abschluss und Cool-down: Eine beruhigende Rückkehr wie das Durchqueren eines imaginären Dschungels. Das Tanzprojekt hat nicht nur die Bewegungsfreude der Kinder gefördert, sondern ihnen auch wichtige Kompetenzen wie Gruppenzusammenhalt, Kreativität und musikalisches Verständnis vermittelt.
Individuum in der Gemeinschaft/Sozialkompetenz • Gruppengefühl • Präsenz • Räumliche Wahrnehmung • Selbstvertrauen
Das Projekt "Emotionen – Collage" mit MUS-E® Künstlerin Marie Eberhardt in der Klasse 4b widmete sich in spielerischer Weise dem Thema Gefühle und Emotionen. Im Zentrum stand die Frage, wie Emotionen sich ausdrücken lassen und was sie voneinander unterscheidet. Die Schüler:innen wurden dazu angeregt, ihre eigenen Erfahrungen zu reflektieren: Wann haben sie bestimmte Emotionen gefühlt, und wie könnten diese Emotionen aussehen, wenn sie lebendige Wesen wären, mit ganz eigenen Charaktereigenschaften? Zu Beginn lag der Fokus darauf, eine offene und kooperative Atmosphäre zu schaffen. Um gemeinsam Theater zu spielen, wurde der Wert von Gruppenzusammenhalt, Spontanität, Phantasie und Konzentration vermittelt. Dazu fanden zahlreiche Übungen, Spiele und Improvisationen statt, die die Kinder näher zusammenbrachten.
Ein wichtiger Schritt im Projekt war die Auseinandersetzung mit Emotionen auf persönlicher Ebene. Die Kinder teilten ihre eigenen Erlebnisse und lernten, sich gegenseitig zuzuhören. Dieser Prozess schuf auf natürliche Weise einen sicheren Raum, in dem alle ihre Gefühle ohne Scheu ausdrücken konnten. Teilweise wurden Erlebnisse in kleinen Szenen nachgespielt, was das Verständnis für unterschiedliche emotionale Zustände vertiefte. In Gruppenarbeiten entwickelten die Kinder schließlich eigene Szenen, in denen verschiedene Emotionen dargestellt wurden. Diese Arbeiten führten zu einer abschließenden Szenencollage, die das gesamte Projekt und die intensiven Auseinandersetzungen mit dem Thema Emotionen widerspiegelte.
MUS-E® Künstler Klaus Fresenius und die Klasse 3c erkundeten verschiedene Techniken und Möglichkeiten aus der Sparte der Bildenden Kunst. Hierunter fielen unter anderem Zeichnen, Malen mit Wasserfarben, Collage, Arbeiten mit Ton, Bemalen der Tonfiguren, Monotypie, Wasserfarben Rorschach-Bilder sowie das Gestalten von Faschingsmasken.
Beim Zeichnen ging es darum, dass die Schüler:innen mit Bleistiften, Buntstiften und Filzstiften ihre Bilder auf das Papier brachten. Zeichnen ist eine Reduktion auf einfachste Mittel, jede Linie ist zu sehen und trägt in ihrer Anzahl zur Gesamtheit des Bildes bei. Es entstand eine Vielzahl und Vielfalt an Arbeiten, die die unterschiedlichen Begabungen der Kinder zeigten. Diese Arbeiten wurden am Ende der Doppelstunde gemeinsam betrachtet und besprochen, was die Wertschätzung und die kritische Auseinandersetzung mit den Werken der Mitschüler:innen förderte.
Beim Malen mit Wasserfarben wurde der starre Zeichenstift durch den beweglichen Pinsel ersetzt, was das Arbeiten mit dem flüssigen Element Wasserfarbe ermöglichte. Die Farben ließen sich intensiver auftragen, was einige Kinder zu üppigem Farbauftrag verleitete.
Für die Collage brachten die Schüler:innen Blätter aus Kunstzeitschriften und Magazinen mit, die gerissen oder ausgeschnitten und auf ein Blanco-Blatt Papier geklebt wurden. Die entstandenen Bilder waren sehr originell und erinnerten an Bildteppiche. Die Begeisterung der Kinder für diese Technik war groß.
Im Werkraum arbeiteten die Schüler:innen mit Ton und formten verschiedene Objekte, Schalen und Figuren, die später bemalt wurden.
Die Technik der Monotypie erforderte etwas mehr Vorbereitung, aber die Schüler:innen waren bereit, sich darauf einzulassen. Linoldruckfarbe wurde auf eine Acrylplatte oder Folie aufgetragen und ein Blatt Papier darübergelegt. Das Papier wurde dann von der Rückseite aus bearbeitet, was zu einem seitenverkehrten Druck führte. Diese Technik brachte sehr unterschiedliche, aber stets überraschende Ergebnisse hervor.
In Anlehnung an den Rorschachtest wurden Wasserfarbenbilder durch Falten des Papiers zu symmetrischen Phantasiebildern weiterentwickelt. Die Kinder malten ihre Bilder und falteten das Papier, um ein symmetrisches Bild zu erzeugen.
Passend zur fünften Jahreszeit schnitten die Schüler:innen Masken aus Karton und bemalten sie, wobei die meisten Masken Tierköpfe zeigten.
Während der Stunden arbeiteten die Kinder gemeinsam in verschiedenen Techniken, was ihre sozialen Kompetenzen stärkte. Sie tauschten Werkzeuge aus und verließen auf Wunsch ihre angestammten Plätze, um mit anderen zu arbeiten, was das Vertrauen förderte. Durch das gemeinsame Betrachten und Beurteilen der entstandenen Werke wurde ihre Kritikfähigkeit gestärkt und die Wertschätzung für die Ergebnisse der Mitschüler:innen.
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